Wall Works



Wall Works / Fried Food

Thomas Judisch
Andreas Peiffer
Sebastian Severin

Eröffnung: Mittwoch, 15. Juni, 19 Uhr
Laufzeit: 15.–26. Juni 2016
Freitag–Sonntag 16 – 18 Uhr

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Ausstellungsreihe 2016: "MEMORY"

Erinnerungssicherung zwischen Erfindung, Re/kapitulation und Fortschreibung

Als persönlicher und kollektiver Fundus ist Erinnerung essentiell für die Konzeption indivi-
dueller und kollektiver Identität, auch wenn sich Erinnerung grundsätzlich in ständiger
Wandlung befindet und auf der Basis des Gewussten und Gewesenen stets neu verhandelt
und entworfen wird. In unserer digitalen Hochgeschwindigkeitsära und dem Strom visueller
Simultanbotschaften verliert Erinnerung jedoch zunehmend an Rückanbindung, während
sich Vergangenheit und Zukunft im Dauerzustand einer endlosen Gegenwart verschränken.
Die Wirklichkeit selbst lässt sich im Rauschen der nonstop auf allen medialen Kanälen flir-
renden Bilder kaum noch orten. In dieser Situation tief greifender Ungewissheit, die sich
existenziell in den aktuellen massiven geopolitischen Verschiebungen und Entwurzelungen
durch Krieg und Gewalt global manifestiert, lösen sich die narrativen Sinngebungen und
kulturellen Verankerungen auf. Zwischenzeiten, Zwischenorte und Zwischenzustände treten
an die Stelle der Bild und Sinn gebenden Konstruktionen und Geschichte/n von einst.
In diesen Interimsräumen sind Künstlerinnen und Künstler heute unterwegs, um an den
Rändern des gerade noch Wahrnehmbaren und Haltgebenden eine Sicherung von Erin-
nerung auf multiplen Ebenen zu betreiben, die zwischen Erfindung und Re/kapitulation,
Neuschreibung und Überschreibung Gestalt annimmt. Das FRISE Jahresprogramm 2016 wid-
met sich dem Thema MEMORY im Spektrum zwischen Spiel und Ernst, existenzieller Absi-
cherung und imaginativer Neubestimmung. Die Ausstellungen des Programms begeben
sich auf verschiedene Terrains, die von der Auflösungsgefahr von Erinnerung im digitalen
Zeitalter über die (Im)Materialität von Erinnerung und deren potenzielle Dingfestmachung,
von Büchern, Schriftzeichen und pflanzlichem Leben als Gedächtnisspeicher bis hin zu
politischen und zeitgeschichtlichen Bestandsaufnahmen reichen, die im Areal der künstler-
ischen Bilder ebenjene Wirklichkeit zu bündeln und zu bewahren suchen, die uns zune-
hmend zu entgleiten droht.
Die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler entspringen selbst einem weiten Panorama
der Blickrichtungen und kulturellen Backgrounds. Künstlerinnen und Künstler aus Bukarest,
Belgrad, Paris und Tokio und anderen Orten treten mit Kolleginnen und Kollegen aus Ham-
burg in Dialoge zu Positions- und Erinnerungsbestimmungen in unserer Zeit. Dem Thema
gemäß entwickeln die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Ausstellungen ihre künstler-
ischen Konzepte und Projekte generationsübergreifend. Wie bereits in vorherigen Ausga-
ben, ist das FRISE-Jahresprogramm zum Thema MEMORY auch als Forschungsprozess ange-
legt. Im Rahmen der Ausstellungen sind Lecture Performances, Diskussionsveranstaltungen,
Film-Screenings und andere begleitende Veranstaltungen geplant.